Frühkindliche Prägungen bei Säuglingen und Kindern

Integrative prä- und perinatalen Therapie (ICD-10: F43.0, F43.1, F43.2) als Frühinterventions- und Präventionskonzept von Betreuungsformen bis zur Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie

Die Erfahrungen aus Schwangerschaft, Geburt und den ersten drei Lebensjahren werden als prä- und perinatale Erfahrungen beschrieben. Sie prägen lebenslang und hinterlassen Spuren, beispielsweise psychische Instabilität, unsichere Bindungserfahrungen oder Anpassungsstörungen. Diese frühkindlichen Prägungen machen sich nicht nur im Fühlen, Denken, Handeln, Verhalten oder Erleben eines Kindes bemerkbar, sondern haben vielmehr auch einen großen Einfluss auf die kindliche Entwicklung, spätere Persönlichkeit, Liebes- und Bindungsbeziehung bis ins Erwachsenenalter. Diese frühen Erfahrungen bilden das grundlegende Fundament für die Eltern-Kind-Beziehung, Erziehung und Bindung, psychische Widerstandkraft, Emotionsregulation, Selbst- und Co-Regulation und Bewältigungsstrategien bis ins hohe Erwachsenenalter.

In der sensibelsten Lebenszeit eines neugeborenen Kindes bis ca. 3 Jahre werden grundlegende Fundamente wie z.B. Körpergefühle, Emotionen, Bindungsmuster und Beziehungsmuster integriert, die keine kognitiven Erinnerungen haben. Die frühkindlichen Prägungen bzw. die ersten Lebenserfahrungen werden im Körper und in jeder Zelle gespeichert, auch Körpergedächtnis genannt. Je mehr Erfahrungen ein neugeborenes Kind sammelt, desto größer wird das Risiko, eine tiefengreifende Prägung zu entwickeln. Was in der frühen Kindheit hilfreich sein kann, erschwert später die Verarbeitung. Denn gespeichert werden nicht nur die Ereignisse an sich, sondern auch die Bewältigungsstrategien. Dies hat zur Folge, dass neugeborene Kinder unter Umständen selbst Jahrzehnte nach den prä- und perinatalen Erfahrungen immer wenn sie durch ein Erlebnis getriggert werden, diese Erfahrungen wieder erneut erleben. Das kann z.B. durch einen Geruch, Geräusche, Bilder, Körperempfindungen oder Erzählungen einer Geschichte ausgelöst werden, die an das Erlebnis erinnern.

Integrative Therapie

Da neugeborene Kinder in den ersten drei Lebensjahren ihre grundlegende, tiefe emotionale Verbundenheit und psychische Sicherheit erst erwerben müssen und die größten Prägungen erst stattfinden, werden auf diesem grundlegenden Fundament die ersten Erfahrungen gesammelt, die die Entwicklung der psychischen Sicherheit, tiefen emotionalen Verbundenheit, emotionalen Offenheit, Feinfühligkeit, Widerstandsfähigkeit, Emotionsregulation, Erkundungs- und exploratives Verhalten sowie Persönlichkeitsmerkmale in der frühen Kindheit bis zum Erwachsenalter stärkt oder auch negativ beeinflussen kann. Diese prä- und perinatalen Erfahrungen können auf verschiedenen Wegen, z.B. bei der Kinderplanung, Kinderwunsch, von der Zeugung bis zur Schwangerschaft, kurz vor, während und nach der Geburt bis in den ersten Lebensmonaten bei der Eltern-Kind-Bindung, Eltern-Kind-Beziehung, Erziehung und Weitergabe von traumatischen Erfahrungen an nachfolgende Generationen, die in Bezugspersonen und Kindern nachwirken, entstehen.

Da Bezugspersonen sich vor, während und nach der Geburt um das neugeborene Kind intensiv kümmern müssen, kann es passieren, dass die eigenen verinnerlichten frühen Prägungen bzw. frühen Erfahrungen aus dem Elternhaus, die im Bewusstsein nicht zugänglich sind, wiedererlebt werden und so die kognitiven Fähigkeiten der Bezugspersonen beeinträchtigen. Das hat zur Folge, dass Verhaltensmuster bzw. wiederkehrende unbewusste Handlungsweisen, die in ähnlichen Situationen auftreten, zum Beschützen, Behüten, überbehüten, überbetreuen, überversorgen, Unterversorgen, Vernachlässigen bis zum Missbrauch durch Bezugspersonen führen. Solche unerklärlichen Verhaltensmuster sind bereits in der frühen Kindheit erkennbar oder machen sich durch komplexe Symptome bemerkbar, indem neugeborene Kinder in Krisen- und Stresssituationen mit frühen Regulations- und Anpassungsstörungen, anhaltendem und/oder unaufhörlichem Schreien, Schwierigkeiten beim Füttern, Schlafstörungen, exzessivem Klammern an die Bezugsperson ohne erkennbare Bedrohung oder Angst vor fremden Personen auf eine unbekannte Situation reagiert. Auch Verhaltensauffälligkeiten wie Wutanfälle, tyrannisierendes Verhalten, nicht sauber werden oder immer noch am Rockzipfel hängen, gehen einher.

Frühkindliche Prägung ist ein Teilgebiet der Psychologie, welche entwicklungspsychologische, biologische, systemische und prä- und perinatale psychologische Erkenntnisse einbezieht, dessen Unterstützung nutzt, um nachhaltig einen integrativen prä- und perinatalen Therapieerfolg zu erzielen. Eine integrative prä- und perinatale Therapie bezieht sich auf ganzheitliche körperorientierte Ansätze aus der Psychologie, die sich mit Herausforderungen aus belastenden Geburts- und Schwangerschaftserlebnissen, bei unerwünschter Schwangerschaft, Trennung, Verlust, Verlassenheit, Ablehnung und frühen Prägungen beschäftigt. Zudem werden Fähigkeiten wie Feinfühligkeit, emotionale Offenheit und Einfühlungsvermögen thematisiert und vermittelt, um das neugeborene Kind als eigenständige Person mit Bedürfnissen, Interessen und Gefühlen wahrzunehmen, anzuerkennen, zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Ergänzend werden Strategien, Interventionen und Präventionsansätze für die Hilfe zur Selbsthilfe eingeleitet, um das neugeborene Kind zu fördern und eine sichere Bindung aufzubauen.

Hinweis

Ein medizinischer Befund muss ausgeschlossen sein.

Unsere Therapie umfasst die Erkennung, Erforschung und Analyse von Ursachen, die Behandlung und Vorbeugung von Beschwerden und Leidenszuständen, an deren Verursachung psychosoziale und somatoforme Faktoren einschließlich dadurch bedingter körperlich-seelischer Wechselwirkungen maßgeblich beteiligt sind. Die Therapie ist präventiv und ergänzend ausgerichtet und ersetzt keine schulmedizinische Behandlung oder die Einnahme von Medikamenten.

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